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TRAGÖDIE VON SOPHOKLES

KÖNIG ÖDIPUS


WAZ
18.09.2008


RUHR NACHRICHTEN

"Bildgewaltig, schauspielerisch hervorragend und äußerst stringent inszeniert - auf diesen kurzen Nenner lässt sich die umjubelte König-Ödipus-Premiere im Schauspielhaus bringen. ...Als Ödipus erfährt, dass er seinen Vater getötet und seine Mutter geheiratet hat, geht ein spürbarer Ruck durch die Figur - schauspielerisch stark umgesetzt von Matthias Heße. Eine ähnliche schauspielerische Präsenz wie Heße entwickelt Jakob Schneider in der Rolle der Iokaste, Ödipus' Frau und Mutter. Dass diese weibliche Rolle mit einem bulligen 100-Kilo-Mann besetzt ist, der auch in den 'Blues Brothers' eine der beiden Hauptrollen spielt, stört nicht, im Gegenteil: Iokaste ist in dieser Interpretation ein durchsetzungsfähiges Mannweib, das seinen Ehemann-Sohn im Griff hat.

Regisseurin Sybille Fabian setzt in ihrer kompakten 90-Minuten Inszenierung des 2500 Jahre alten Sophokles-Stoffes auf das Stilmittel moderner Ausdruckstanz. Kein Wunder: Sie hat früher selbst im Ballett gearbeitet. Das auf der Bühne ständig steigende Wasser symbolisiert nicht nur die Gefahr, in der Theben sich befindet, sondern gibt dem König auch die Möglichkeit, sich mehrmals in Unschuld zu waschen. 'König Ödipus' in Dortmund ist ein beeindruckendes Stück, das einen Theaterbesuch allemal lohnt."


BILD

"Die Dortmunder setzen auf Wasser. Nach und nach wird die Bühne mit 5000 Litern geflutet. Ein grandioser Matthias Heße als Ödipus beherrscht die Szene. Machtgeil. Lüstern. Wahnsinnig. Je mehr er von seiner schrecklichen Vergangenheit entdeckt, desto höher steigt das Wasser auf der Bühne (90 Minuten ohne pause). Sollte man sich unbedingt ansehen."


WESTFÄLISCHE RUNDSCHAU

"Ein gewalttätiger Sound pulst über die Bühne. Wenn er abbricht, ist auch die Stille laut, mächtig, total und brutal; kaum erträglich... Wenn sich der Vorhang hebt, besteht die Welt nur noch aus Symbolen der Macht: einer Treppe, die hinauf zum Abbild des Königs führt, und riesigen unverzierten Säulen, die links und rechts den Aufstieg flankieren. Die monumentale Architektur des Faschismus bringt sich im antiken Kontext in Erinnerung.

Doch es sind instabile Gebilde. Herbert Neubecker, der Bühnenbildner, hat dünnes Tuch verwendet - nach den 90 Minuten, die dieser 'Ödipus' nur dauert, werden die Säulen schlicht und einfach in sich zusammensinken. Die Katastrophe vollzieht sich mühelos.

Diese Geschichte ist entsetzlich, wieder einmal, aber in ihrer äußeren Brutalität, in ihrer Schicksalhaftigkeit auch nicht unvertraut. Hier der König, ein bizarres, hochmütiges, narzisstisches Wesen, ganz in Weiß gekleidet, trefflich gespielt von Matthias Heße. Da alle anderen: alle in Schwarz, Kreon, Teiresias, Hirte und Bote. Sie bilden zugleich den Chor: ein bedrohliches Abbild der Masse, über die sich Ödipus erhebt, am Ende verwandeln sie sich in eine Meute unruhiger Hunde."